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FORM


LEA GULDDITTE HESTELUND

KÜNSTLERIN

Wir haben drei Kreative jenseits des komfortablen Reichs unserer eigenen Branche befragt, was Kreativität ist und wie Inspiration entsteht – und nach den zentralen Bestandteilen ihrer Arbeit sowie der unseren: Farbe, Form und Material.

 

THE ESSENCE OF CREATIVITY

Für die dänische Künstlerin Lea Guldditte Hestelund ist Form etwas, das in den Materialien, die sie auswählt, verborgen enthalten ist und nur darauf wartet, sich in ihren Skulpturen zu enthüllen. Am Anfang ihrer Karriere war es jedoch ihr eigener Körper, der eine dramatische Transformation in ein lebendes Stück Kunst durchmachte. Und seither ist die Suche nach Formen, die uns faszinieren, eine ständige Obsession für sie geworden.

ARTIST LEA GULDDITTE HESTELUND
Text & styling: Marie Monrad Graunbøl // Photography: Mikkel Tjellesen

Was ist Ihre erste Erinnerung an ein Kunstwerk? 

Ich war 14 Jahre alt, es war im Louisiana Museum in Humlebæk, nördlich von Kopenhagen, und es war die Ausstellung NowHere– eine Sammlung der interessantesten Arbeiten in der zeitgenössischen Kunstszene zu jener Zeit, wie ich später erfuhr. Ich kann mich noch lebhaft an das Kunstwerk erinnern, das mich am meisten fasziniert hat. Es war eine Videoinstallation der schweizer Künstlerin Pipilotti Rist mit dem Titel Sip My Ocean, die in einer geschlossenen Black Box mit zwei über Eck aneinandergrenzenden Bildschirmen gezeigt wurde. Das bedeutete, dass das Publikum sich förmlich im Werkbefand, überflutet von einem Meer von fantastischen Farben, in dem schwimmende Objekte wie Teetassen und Perlenteller langsam auf den Grund des Meeres sanken. Eine Frau schwamm, begleitet vom Klang des melancholischen Pop-Hits Wicked Gamevon Chris Isaac, hier jedoch von der Künstlerin Pipilotti Rist selbst in einer Performance aufgeführt, die einen Höhepunkt erreicht, als sie hysterisch den Liedtext I don’t wanna fall in love with youschreit. Ich saß eine Stunde lang wie gelähmt da. Noch heute gehört dieses fantastische Kunstwerk zu meinen Lieblingswerken, wenn auch aus viel mehr Gründen als zu jener Zeit. 

 

Wann nimmt eine Form bei Ihrer Arbeit Gestalt an? 

Das hängt stark vom Material ab. Außerdem macht es viel aus, ob es ein Werk für einen bestimmten Platz ist, wo die umgebende Architektur oder Landschaft einen wichtigen Part spielt.

Wenn ich mit Marmor arbeite, verwende ich häufig die ursprüngliche Form des Steins, um die Form des Werks vorzugeben. Für mich ist dies eine wundervoll subtile Zusammenarbeit, als ob der Stein selbst einen Willen hat. Und als ob das Endergebnis die ganze Zeit im Stein verborgen gewesen wäre und nur darauf gewartet hat, von mir enträtselt und aufgedeckt zu werden. Selbst wenn ich zu Beginn der Arbeit eine Art Masterplan habe, gelange ich am Ende oft zu etwas völlig Anderem. 

Selbst wenn ich zu Beginn meiner Arbeit einen Masterplan habe, gelange ich zu etwas völlig Unvorhersehbarem

– LEA GULDDITTE HESTELUND

LEA GULDDITTE HESTELUND STUDIO // Inspiration and material

LEA GULDDITTE HESTELUND // POISE SHELVING SYSTEM

Was inspiriert Sie am meisten?

Es fällt mir schwer, darauf eine hinreichende Antwort zu geben, weil ich kein Rezept für Inspiration habe – leider! Wenn ein Künstler immer genau wüsste, wo er nach Inspiration suchen muss, gäbe es vermutlich keine kreativen Krisen mehr.

 

Welche Ihrer eigenen Arbeiten war die größte Herausforderung?

Das Werk, das für mich die größte Herausforderung darstellte, war mein Diplomprojekt Körper 2.0.Es war teils eine Installation, die aus Objekten wie einem Gummiboden und Fitnessgeräten wie einer aus Marmor gehauenen Kugelhantel bestand, teils eine Performance, bei der mein eigener Körper als bildhauerisches Material genutzt wurde. Über einen Zeitraum von sieben Monaten hinweg war ich auf einer strengen Diät und absolvierte mit einem Personal Trainer ein Sportprogramm, um einen Körper zu erlangen, der dem griechischen Ideal des Diskobolos von Myronglich, einer griechischen Skulptur, die zu Beginn der Klassischen Zeit geschaffen wurde und einen jungen Athleten aus der griechischen Antike zeigt, der einen Diskus wirft. Körper 2.0dreht sich natürlich um eine zeitgenössische Vorstellung des idealen Körpers und darum, wie bestimmte Körper zum Symbol von Macht und potentielle Bedeutungsträger werden. Was jedoch noch wichtiger ist, ist, dass es sich damit befasst, wie wir dem Körper Bedeutung zuschreiben, welche kulturellen Hierarchien ihn formen und erschaffen, und es stellt normative Vorstellungen von Gender und Sexualität in Frage. Ich selbst wurde stark von dem Werk beeinflusst, nicht zuletzt in der Zeit nach seiner Fertigstellung. Es hat mich überrascht, wie schwierig es war, das tägliche Training und die Routinen des Diätprogramms loszuwerden, und ich habe Jahre gebraucht, um die disziplinierte und eingeschränkte Lebensweise zu überwinden.

 

Welches ist für Sie die interessanteste Form?

Ich liebe die Kugel. In Körper 2.0 habe ich mit der Vorstellung der perfekten Form gespielt. Diese Form war auch eine Art von Kugel, nur mit einem Griff daran – einer Kugelhantel sehr ähnlich. Diese schöne runde Form ist so einfach und für mich als Bildhauerin dennoch so komplex zu schaffen, was auch einen Teil ihres Reizes ausmacht. Im Akropolismuseum in Athen finden Sie eine antike Kugel, Magic Sphere, die mit Zeichen und Symbolen geschmückt ist, und dieses Objekt scheint ein tiefgründiges, verborgenes Wissen zu enthalten. Es ist eine allgemeingültige Form, die auf der planetaren Ebene ständig über und um uns schwebt. Ich finde, die Kugel ist auf vielerlei Arten eine sehr rätselhafte Form, trotz ihrer offensichtlichen Einfachheit.

LEA GULDDITTE HESTELUND STUDIO // POISE SHELVING SYSTEM

ÜBER KÜNSTLERIN LEA GULDDITTE HESTELUND

Die dänische Künstlerin Lea Guldditte Hestelund studierte von 2012-2013 an der Kunstakademie Düsseldorf und schloss ihr Studium an der Königlich Dänischen Kunstakademie 2015 ab.In ihrer künstlerischen Laufbahn hat sie mit Skulptur, Installation und Performance gearbeitet, häufig mit mehreren Kunstformen innerhalb derselben Arbeiten. Lea Guldditte Hestelund hat u.a. im dänischen ARoS Art Museum, im Overgaden Institut für zeitgenössische Kunst und im italienischen Eduardo Secci Contemporary ausgestellt. Ihr Werk ist im Horsens Kunstmuseum, in  Statens Kunstfond, der Collezione Floridi und in der Bech Risvig Sammlung Teil der Sammlung.